Nr. 29

Drachenklammer Marktklatsch

15. Decembris 75

Die Ereignisse auf dem Hoftag zu Soltane in den Arturischen Marken

Auf Einladung des Bundesritters der Artutrischen Marken, Ulrich von Jochgrim, strömten zahlreiche Gäste zum Hoftag vom XXIV. bis XXVI. Novembris nach Soltane.

Ulrich nebst seiner Ehewirtin Beatrix konnten die Bundesritter Karlmann von Ganis, Helior von Lohenau, Leonard von Lorien, Alina von Logris, Dundearn von Waleis, Fergus von Drachenmoor, Dora von Drachenfeld, Thies von Lohring und Hermann von Norgals zum Ratstag begrüßen. Auch Bischof Konrad konnte sein Kommen einrichten und begrüßte die Domherrin Elaine O'Donoghue, welche gerade rechtzeitig zum Hoftag von ihrer Reise durch das Fürstentum Toxandrien zurückgekehrt war. Auch die Gauritter Thekla von Dangen, Hagen vom Loe, Celine von Arkadia und Johanna von CaerGlen waren nach Soltane geeilt.

Große Umsicht bewies der Burggraf von Soltane, Heinrich von Karawei, bei der Unterbringung der zahlreichen weiteren Gäste, wobei er von seiner Gemahlin Claire von Karawei unterstützt wurde. Von den Gästen seien hier namhaft gemacht. Die edlen Damen Gräfin Jasmin von Lindenhain, Feodora von Swarzfurt, Alienora de Valverde, Bertrada von Tauroggen, eine pruzznische Edle, und die Zofe der Dame Dora Madeleine Katharina von Throtmani.

Um die Gunst dieser Damen stritten neben den Bundes- und Gaurittern in minniglichem Wettstreit die Herren Ansgar von Wulfheim, Peer van Wasserloo und Eduard von Zweifel der Burggraf von CaerGlen.

Am Freitag wurde der Hoftag von Bundesritter Ulrich von Jochgrim mit einem Umtrunk eröffnet. Zum Erstaunen der Gäste wurde der Trunk nicht im allseits bekannten und beliebten Ratshumpen kredenzt, sondern in einem schlichten Tonkrug. Es folgte ein leichtes Mahl. Die Besucher der vom Bischof gehaltene Messe wurden durch eine Gabe des Abtes Anselm, die Herr Ulrich übergab, in tiefe Verwirrung gestürzt. Abt Anselm hatte nämlich zur geistigen Stärkung der Drachenbrukker und Ihrer Gäste "Drachenherzen" und "Drachenblut" überbringen lassen. Einige Teilnehmer des Götterdienstes lehnten es empört ab die Herzen der Drachen zu essen, und deren Blut zu trinken, indem sie auf die drächische Natur des Drachenbrukkischen Schutzheiligen verwiesen. Es kam zu einer hitzigen Debatte über das Geschenk des Benevitanerabtes, wobei vereinzelte Stimmen sogar einen feindlichen Akt hinter den Gaben vermuteten. Erst die Weisheit des kirchlichen Hirten, der seine Gemeinde auf die Symbolhaftigkeit der "Drachenherzen" und des "Drachenblutes" hinwies, beruhigten die Gemüter und ließen die Messe zu einem geregelten Ende gelangen. Die davon probiert hatten, und das waren nicht alle, denn wie der Chronist sich erinnert, aßen zumindest Dundearn MacRayyd und Karlmann von Ganis keines der Herzen, lobten anschließend den Wohlgeschmack und einige fühlten sich auch durchaus gestärkt. Der weitere Abend wurde durch allgemeine Zerstreuung, Gespräche und Musik gefüllt.

Der Samstag begann mit einem Frühstück bei dessen Ausstattung die Gastgeber in keiner Weise gespart hatten. Danach maßen sich die Besucher im Bogenschießen und im Schwertkampf. Den Preis im Bogenschießen der Damen gewann die pruzznische Edle Bertrada von Tauroggen nach einem Stechen gegen die Gastgeberin Beatrix von Jochgrim. Den dritten Rang sicherte sich die Gauritterin Thekla von Dangen. Das Bogenschußturnier der Herren entschied Leonard von Leichenstein für sich, vor dem pruzznischen Edlen Peer van Wasserloo und Helior von Stolzenfels. Erneut steigerte sich Karlmann von Ganis, und ließ diesmal den Kilkanier Fergus McKillgain hinter sich. Wir rechnen das nächste Mal mit einem Bundesritter Karlmann unter den ersten drei. Anschließend versammelte man sich zum Schwertturnier.

Der Turnierrichter, dieses Mal war es Bischof Konrad, hatte keine Mühen, das Turnier zu leiten. Das Finale bestritten Dundaern von Waleis und Burggraf Heinrich. Dundearn, als hoher Favorit in das Finale gegangen, besiegte den Burggrafen nur knapp und konnte so den Siegespreis einheimsen. Zur Enttäuschung aller fand leider kein Schwertturnier der Damen statt.

Am Sonntag kürten die Damen, nachdem sie einige würdige Kandidaten durch namentliche Nennung geehrt hatten, einstimmig, was von den Damen eigens betont wurde, Karlmann von Ganis zum würdigen Empfänger des Minnepreis.

In der öffentlichen Ratssitzung konnten - wie stets - die Gäste ihre Anliegen den Bundesrittern vortragen, aber auch Gelegenheit zur Klage vor dem Rat ward den Einheimischen gegeben. Bereits in dieser Runde wurden einige Themen, wie die Lage im Heiligen Land, die Machenschaften des Thomas O'Connell und die Eroberung von Rabenhaven angesprochen, doch unterband der Advocatus genauere Ausführungen und verschob diese in die verschlossene Ratsitzung der Bundesritter. Während die übrigen Gäste zu Scherz, Kurzweil und andere Lustbarkeiten entlassen wurden, wandten sich die Bundesritter

zur geheimen Ratssitzung. Diese wurde vom Advocatus der Drachenlilie, Karlmann von Ganis, mit der Bekanntmachung eröffnet,. daß Geimhreadh Croi O'Damsha durch seine Gauritterin Celine von Arkadia vertreten werde.

Danach berichtete Hermann von Norbergen über die Geschehnisse, die zur Eroberung Rabenhafens durch die Bundesritter der Rosenküste führten. Auch beruhigte Hermann die übrigen Ratsmitglieder in ihrer Sorge, daß es zu Mißhelligkeiten mit der Herzogin von Schwanensee kommen könnte, indem er ihnen von seinem Gespräch mit der Herzogin Sieglinde auf Burg Hohenschwanenesee berichtete und betonte, man sei zu einer für beide Seiten befriedigenden Übereinkunft gekommen.

Auch Ulrich von Jochgrim und Karlmann von Ganis erzählten von ihrer Reise nach Greifenkreuz. Beide wußten von einer gewissen Unzufriedenheit der Greifenkreuzer Bürgerschaft mit der fortdauernden Anwesenheit des Drachenbrukker Aufgebotes zu berichten, was die Greifenkreuzer Ratsherrn mehr oder weniger versteckt angedeutet hatten. Also beschlossen die Bundesritter - einige sicherlich nur schweren Herzens - ihre Gefolgsleute aus der reichsunmittelbaren Stadt in Schwanensee abzuziehen. Wie wir hörten, hat es sich Karlmann von Ganis nicht nehmen lassen, selbst nach Greifenkreuz zu reiten, um das Drachenbrukker Aufgebot, welches zur Zeit unter dem Befehl der Ganis'schen Gauritterin Alizza von Dangen steht, heimzuführen. Karlmann erwähnte auch, daß er sich gleichfalls um eine Audienz bei der Herzogin bemüht hatte. Es sei ihm allerdings beschieden worden, daß die Herzogin zu Gesprächen mit Herzog Tassilo von Stierheim und dem Markgrafen von Zährensee gereist wäre.

Im Anschluß referierte Bundesritterin Dora von Hoya betrübliche Nachrichten, die sie über ihren Anverlobten Thomas von Falkenhorst erhalten habe, über die neueste Entwicklung im Heiligen Land. Hier scheint einzig der Markgraf von Tersos in der Lage zu sein, den anstürmenden Horden der Barbaren und Allutanbetern Widerstand leisten zu können. Diese Nachricht erfreute und betrübte die Bundesritterschaft in Einem. Denn sie waren erfreut, daß wenigstens ein Kämpfer der Oikumene den Angreifern standzuhalten vermochte, aber es betrübte sie, daß dieser Recke gerade Thomas O'Connell ist, welcher nicht nur für das Attentat auf Geimhreadh Croi O'Damsha beim Hoftag zu Lohenhöcht verantwortlich ist, sondern auch, wie Celine O'Hara glaubwürdig darzulegen wußte, an den unterschiedlichsten Orten Krieger anwürbe und sie an unbekanntem Ort zusammenzöge.

 

 

Hofgeplauder:

Am Rande des Hoftages versammelten sich nicht nur die Magister der commilitones draconis sondern auch alle zufällig anwesenden Glieder jener Vereinigung. Nach diesem "Komplet" verließen einige Mitglieder die Räumlichkeiten mit versteinerten Mienen. Wir erfuhren nur soviel, daß man den Admiratus zum kommissarischen Großmeister ernannt hat und vom eigentlichen Großmeister bis zum Januarhoftag eine Stellungnahme erwartet. Was den Unmut der Commilitones auslöste, blieb uns verborgen.

Während des Hochamtes am Samstag begrüßte Bischof Konrad seine Domherrin Elaine offiziell in Drachenbrukk. Die Domherrin weilte nämlich in den letzten Monaten in Toxandrien, wo sie einer Reliquie des Heiligen Liam nachspürte. Elaine O'Donoghue präsentierte den Gläubigen den Unterkiefer eines riesigen Wolfes, der so erzählen es uns die Legenden einst vom Heiligen Liam erschlagen wurde. Die Domherrin berichtete wie sie dazu kam der Reliquie nachzuspüren und wie sie in den Besitz der Reliquie gelangte. Als Ulrich von Jochgrim, der selbst in seinem Land von Wölfen geplagt wird, Ansprüche auf den Wolfskiefer erheben wollte, wiesen Domherrin und Bischof - wie aus einem Munde dieses Ansinnen - ab.

Neutrale Beoachter merkten an, daß die Bundesritter bereits nach wenigen Tänzen in ihrer größeren Anzahl den Tanzboden verließen. Dabei schien es vor allen den Damen an der nötigen Ausdauer zu mangeln, die doch sonst immer fähig waren, das letzte aus den Tänzern herauszuholen. Doch zeigten Karlmann von Ganis mit seiner Partnerin Celine O'Hara und Hagen vom Loe mit Feodora von Swarzfurt ihren ungebrochenen Eifer, wenn auch einige ihrer Tanzfiguren eher unglücklich aussahen.

Am Morgen ließen sich einige Damen über nächtliche Besucher ihrer Räumlichkeiten aus, betonten aber, daß die zweifelsohne männlichen Wesen nicht in der Lage waren, das von ihnen begonnene Werk zu vollenden.