Hagen vom Loe ist was sein politisches Wesen angeht in erster Linie loyal. Genauso verhält er sich auch gegenüber
seinen Gefolgsleuten, seien es Edle, Ministeriale oder einfache Ritter oder einfache Bauern.
Wenn seine Loyalität missbraucht wird oder er sich in seiner Ehre verletzt fühlt, drängt ihn sein impulsives Wesen
zu raschem - manchmal überstürztem Handeln. Genügend gereizt, überwältigt Hagen berserkerhafte Wut und in seiner
Raserei vermag er Dinge zu vollbringen, die anderen mit klarem Verstand wesentlich weniger Kraft abverlangen würden.
Aber durch sie entfaltet dieser unscheinbare Ritter auch eine Gewandheit und Kampfeskraft, die man ihm nicht zutrauen
möchte. Mehr als einmal hat ihn diese Eigenschaft in größte Schwierigkeiten gebracht.
Lernt man zunächst nur dieser martialische Seite an Hagen kennen, so wird man von seiner romantischen Ader überrascht.
Seine dichterisch Veranlagung verführt ihn dazu die Damenwelt, ein über das andere Mal mit Elogen und schmachtenden
Liebesliedern zu beglücken. Die Drachenbrukker Damen, solches von ihren Rittern durchaus nicht gewöhnt, reagieren
allerdings oftmals verunsichert, ja verstört. Dabei weiß er die Grenze zwischen Hoher und Niederer Minne zu wahren
- fast immer - und verteilt seine Liebeswürdigkeiten an alle Damen ("Es kann nicht nur Eine geben").
Seine Erziehung war von Anfang an durch den festen Glauben an die oikumenischen Göttern - natürlich in ihrer lo'schen
Erscheinungs- und Verehrungsform - geprägt. So nimmt es nicht wunder, dass sein älterer Bruder Sigismund Abt des
Krumbacher Hausklosters seiner Familie wurde. So wurde sein Glauben durch die Erfahrungen in Wagrien und in Sint
nicht erschüttert, sondern nur erweitert.
So zauderte Hagen vom Loe nicht und stellte sich noch in der Stunde seiner Offenbarwerdung in den Dienst des Grals,
und seiner Hüterin Thekla von Hohenfurth. So wurde er Erster Ritter des Grals und kam damit seinem Lehnsherrn um
entscheidende Sekunden oder Tage zuvor. Nicht erst seit seinem Zusammenstoss mit der Bischöfin Suil n'ath Jolaire
und seiner Erwählung zum "Herzog der Loe" - Stellvertreter des Gottes Herne in der Heiligen Hochzeit
- im Jahre 73/74 zeigt es sich, dass seine Verehrung der Götter nicht den bedingungslosen Gehorsam gegen deren Priester einschließt.
Als Bundesritter obliegt Hagen vom Loe auch die Gerichtsbarkeit über seine Ländereien. Seiner Auffassung von Loyalität
entsprechend gibt er - wenn irgend möglich - der Gerechtigkeit den Vorzug vor dem leblosen Recht. Bei dem Versuch der
Bestechung nimmt er zwar das Geld gerne an, aber sein Urteil ändert sich dadurch um kein Iota.
Im Hause derer vom Loe wird noch immer Loisch gesprochen. Daneben spricht Hagen fliessend Arturisch, Kilkanisch und Sintisch.
Der Bundesritter von Norgals bewegt sich so in allen Kulturen. in deren Spannungsfeld seine Gaue liegen, sicher und weiß
Vor- und Nachteile aller abzuwägen. Daher gelingt es ihm auch allen Kulturen in zu ihrem Recht zu verhelfen und bei
Streitigkeiten, die verschiedenen Rechtsauffassungen der Einwohner miteinander zu versöhnen. Die Loer an den Ufer der
Swarzach, obwohl ursprünglich dem Mutterrecht verpflichtet, haben unter dem Einfluß des arturischen Recht das Vaterrecht
übernommen, so daß er sich auch im stark arturisch geprägten Norgals in rechtlichen Dingen bewährt.
Die Bewohner der Bergtäler im Norden haben sich zu Talschaften zusammengeschlossen und verstehen sich als reichsfrei -
ein Status, den der Kaiser bestätigt hat. Traditionell pflegen sie gute Beziehungen zu den Herrschern in Norgals und
rufen häufig deren Vermittlung in Rechtssachen an. Umgekehrt hat sich Hagen die Geländekenntnis und Kampfeslust der
Bergbewohner zu Nutze gemacht und - stets zu fairen Bedingungen - dort wertvolle Hilfstruppen für seine Feldzüge angeworben.